{"id":218,"date":"2026-02-26T15:21:11","date_gmt":"2026-02-26T15:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/rgmedienwoche.ch\/2026\/?p=218"},"modified":"2026-02-26T15:21:11","modified_gmt":"2026-02-26T15:21:11","slug":"der-milliardenkonzern-ohne-schild-an-der-tuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/2026\/02\/26\/der-milliardenkonzern-ohne-schild-an-der-tuer\/","title":{"rendered":"Der Milliardenkonzern ohne Schild an der T\u00fcr"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/palantir-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-280\" srcset=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/palantir-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/palantir-300x200.jpg 300w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/palantir-768x512.jpg 768w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/palantir.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Techriese Palantir hat im letzten Jahr grosse Profite gemacht. Foto: Keystone, Gian Ehrenzeller<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Firma Palantir Technologies, der US-amerikanischer Softwareanbieter, ist auf dem Aktienmarkt wertvoller als Nestl\u00e9 und die UBS zusammen und w\u00e4chst t\u00e4glich weiter. Das gilt auch f\u00fcr die Kritik &#8211; es macht mit seiner \u00dcberwachungs-Software und den aufsehenerregenden Aussagen der Leitung f\u00fcr Schalgzeilen. 2021 kam Palantir in die Schweiz &#8211; zun\u00e4chst nach Altendorf im Kanton Schwyz. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Standort in Z\u00fcrich. <\/p>\n\n\n\n<p>Was die Firma hier tut, dar\u00fcber ist jedoch wenig bekannt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Auch Schweizer Firmen arbeiten mit ihrer Software<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das b\u00f6rsennotierte Unternehmen wurde 2004 gegr\u00fcndet und hat seinen Hauptsitz in Denver (Colorado), Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist Alexander Karp. Sein Co-Founder, Peter Thiel, der auch bei der Gr\u00fcndung von PayPal beteiligt war, ist ein bekannteres Gesicht in den Medien. Mit demokratiekritischen und frauenfeindlichen Aussagen sorgt der Milliard\u00e4r mit deutschen Wurzeln schon oft f\u00fcr Aufsehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Palantir entwickelt unter anderen Softwares f\u00fcr milit\u00e4rische und geheim\u00addienstliche Zwecke. Die umstrittene amerikanische Einwanderung- und Grenzschutzbeh\u00f6rde ICE benutzt eine Palantir-Software, um Migrantinnen aufzusp\u00fcren. Und auch die israelische Armee verwendet eine Palantir-Software, unter anderem auch in Gaza.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweizer Regierung hat, unter anderem wegen Datenschutz\u00fcberlegungen, bis jetzt noch nicht mit Palantir zusammengearbeitet. Aber immer wieder gibt es informelle Gespr\u00e4che. Mit Novartis und Swiss Re setzen zwei Schweizer Unternehmen bereits auf Palantir-Software.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Spurensuche nach den Z\u00fcrcher B\u00fcros<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Eine einfache Google-Suche bef\u00f6rdert eine Adresse an der Z\u00fcrcher L\u00f6wenstrasse zutage. Vor Ort deutet jedoch nichts auf die Firma Palantir hin. Auf der Firmentafel im Eingang ist der Name nicht vermerkt. Andere Mieter im Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4ude wissen auf Anfrage dieser Redaktion nichts vom Unternehmen &#8211; sie haben den Namen dieser Firma noch nie geh\u00f6rt, geschweige denn am T\u00fcrschild gelesen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_1595-1-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-322\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>An der Z\u00fcrcher L\u00f6wenstrasse 20 ist Palantir auf dem Firmenschild nicht vertreten. Fotograf: Mathis Jetter<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am anderen Hauptsitz am Bahnhofplatz &#8211; gem\u00e4ss Recherche der Online-Plattform Repbulik &#8211; deutet ebenfalls nichts auf die Firma hin. <\/p>\n\n\n\n<p>Telefonische und schriftliche Anfragen dieser Redaktion zum Standort Z\u00fcrich wurden von Palantir nicht beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Forschung lockt die Firmen nach Z\u00fcrich<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Palantir ist nicht der einzige Tech-Konzern in Z\u00fcrich. Neben Google und IBM forschen heute auch Meta, OpenAI und Microsoft in und um Z\u00fcrich. Das Standortmarkting der Stadt lockt die Firmen auch aktiv an, obwohl die GreaterZurichArea behauptet gegen\u00fcber der &#8222;Repulbik&#8220; behauptet hat, Palantir nie direkt angefragt zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bleibt die Frage: Was macht die vergleichsweise kleine Stadt Z\u00fcrich f\u00fcr diese Unternehmen so interessant? <\/p>\n\n\n\n<p>Eine Antwort liefert der Z\u00fcrcher \u00d6konom Michael Baltensperger: \u201cTech-Firmen kommen nach Z\u00fcrich, weil sie hier nahe an den Studierenden und Absolventen der ETH sind und diese so einfacher anwerben k\u00f6nnen.\u201d Die Technische Hochschule geh\u00f6re vor allem in der Robotik- und KI- Forschung \u2013 aber nicht nur \u2013 zur absoluten Weltspitze und w\u00fcrde hoch ausgebildete Fachkr\u00e4fte hervorbringen. Die internationalen Firmen w\u00fcrden darum auch oft Kollaborationen mit den Professoren und Lehrst\u00fchlen der ETH unterhalten, sagt Baltensperger.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"889\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Unbenannt-2-889x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-278\" srcset=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Unbenannt-2-889x1024.jpg 889w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Unbenannt-2-260x300.jpg 260w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Unbenannt-2-768x885.jpg 768w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Unbenannt-2.jpg 1179w\" sizes=\"auto, (max-width: 889px) 100vw, 889px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Laut \u00d6konom Michael Baltensperger kommen viele Techfirmen wegen der N\u00e4he zur ETH. Fotograf: Marco Blessano<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Z\u00fcrich sei auch ein attraktiver Standort, weil die Firmen dank der Personenfreiz\u00fcgigkeit Menschen aus der EU einfach einstellen k\u00f6nnten und diese Leute dank der hohen Lebensqualit\u00e4t k\u00e4men, erkl\u00e4rt der \u00d6konom weiter. \u201cAuch die im internationalen Vergleich eher tiefen Firmen- und Personensteuern zieht die grossen Firmen hierher.\u201d Und zuletzt sei auch die N\u00e4he zum Flughafen ein Faktor, der internationale Firmen und ihr Personal nach Z\u00fcrich locke, sagt Baltensperger.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Konkurenz mit hohen Preisen <\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Hat das zur Folge, dass einheimische Firmen verdr\u00e4ngt werden? Das m\u00fcsse nicht sein, sagt der \u00d6konom. \u201cMit jeder zus\u00e4tzlichen Firma wird das \u00d6kosystem in Z\u00fcrich st\u00e4rker und damit attraktiver f\u00fcr weitere Firmen. Das kann auch den einheimischen Unternehmen Schub verleihen.\u201d Zudem w\u00fcrden neue Arbeitspl\u00e4tze zus\u00e4tzliche Steuereinnahmen generieren und den Technologie-Standort Z\u00fcrich global zus\u00e4tzlich vernetzen. Doch es gibt auch Schattenseiten: Angestammte Firmen, die aus demselben Pool Personal rekrutierten wie die Tech-Firmen, m\u00fcssten h\u00f6here L\u00f6hne bezahlen, sagt Baltensperger. Das sei zwar gut f\u00fcr die Angestellten, aber nicht f\u00fcr die betroffenen Z\u00fcrcher Firmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich Z\u00fcrich immer mehr zu einem f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Tech-Hub entwickelt, sei auch f\u00fcr die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt sp\u00fcrbar, sagt Baltensperger. \u201cDas schnelle Bev\u00f6lkerungswachstum f\u00fchrt zu \u00dcberlastungskosten.\u201d Baltensperger erkl\u00e4rt: Da diese Firmen auch Personal aus dem Ausland nach Z\u00fcrich holten, und diese Personen meistens auch noch ein \u00fcberdurchschnittliches Sal\u00e4r haben w\u00fcrden, erh\u00f6he das die Nachfrage nach Wohnfl\u00e4che. \u201cWenn das Angebot an Wohnfl\u00e4che nicht mithalten kann, erh\u00f6hen sich die Mietpreise.\u201d Danach sehe es momentan in Z\u00fcrich aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der wachsenden Anziehungskraft von Z\u00fcrich und den immer neuen Zuz\u00fcgen von grossen Tech-Konzernen d\u00fcrfte sich dieses Spannungsfeld noch mehr akzentuieren. Und genau in dieses Spannungsfeld passt auch Palantir Technologies &#8211; ein internationaler Konzern, der kaum greifbar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Firma Palantir Technologies, der US-amerikanischer Softwareanbieter, ist auf dem Aktienmarkt wertvoller als Nestl\u00e9 und die UBS zusammen und w\u00e4chst t\u00e4glich weiter. Das gilt auch f\u00fcr die Kritik &#8211; es macht mit seiner \u00dcberwachungs-Software und den aufsehenerregenden Aussagen der Leitung f\u00fcr Schalgzeilen. 2021 kam Palantir in die Schweiz &#8211; zun\u00e4chst nach Altendorf im Kanton Schwyz. 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