{"id":136,"date":"2026-02-26T11:21:32","date_gmt":"2026-02-26T11:21:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rgmedienwoche.ch\/2026\/?p=136"},"modified":"2026-02-26T11:21:32","modified_gmt":"2026-02-26T11:21:32","slug":"wenn-spitzensportler-abschied-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/2026\/02\/26\/wenn-spitzensportler-abschied-nehmen\/","title":{"rendered":"Wenn Spitzensportler Abschied nehmen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/WhatsApp-Image-2026-02-23-at-18.22.41.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-140\" srcset=\"https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/WhatsApp-Image-2026-02-23-at-18.22.41.jpeg 800w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/WhatsApp-Image-2026-02-23-at-18.22.41-300x225.jpeg 300w, https:\/\/mmiu.ch\/rgmedienwoche2026\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/WhatsApp-Image-2026-02-23-at-18.22.41-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Yannick K\u00e4ser und Lisa Mami\u00e9 bei den Kurzbahnweltmeisterschaften in Hangzhou, China.<\/em> <em>Quelle: z.V.g<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal vier Jahre investieren oder einen Schlussstrich ziehen? Auf die n\u00e4chste Olympiade setzen oder sich auf die berufliche Karriere fokussieren? Solche Fragen stellten sich Lisa Mami\u00e9 und Yannick K\u00e4ser, kurz bevor sie ihre Karriere beendeten. Damit sind sie keine Ausnahmen. F\u00fcr die meisten Leistungssportler ist genau dieser Moment ein innerer Konflikt zwischen Traum und Realit\u00e4t, zwischen Ehrgeiz und dem Berufsleben danach.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alter von sieben begann Mami\u00e9 ihre Schwimmkarriere bei den Limmat Sharks. Seitdem nahm sie an zwei Olympischen Spielen und an mehreren Europa- und Weltmeisterschaften mit grossen Erfolgen teil. Ausserdem ist sie Schweizer Rekordhalterin \u00fcber alle Brustdisziplinen. \u00abDie Liebe zum Sport war f\u00fcr mich nie von den Resultaten abh\u00e4ngig. Ich h\u00e4tte auch sonst so lange wie m\u00f6glich weitergemacht, auch wenn ich nicht so gut gewesen w\u00e4re\u00bb, erkl\u00e4rt sie. Nat\u00fcrlich hatten auch das Studium und die finanziellen Mittel am Schluss einen Einfluss. Die Leistungen haben immer einen direkten Bezug zu der Unterst\u00fctzung, die Athleten bekommen. Weniger Erfolge f\u00fchren dazu, dass man sich mehr auf das Studium konzentriert und somit weniger auf das Schwimmen. Dazu kommt, dass f\u00fcr viele Sportarten alles an den olympischen Zyklus anpasst wird und deshalb treten auch viele Athleten nach den Spielen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sommer 2025 brachten anhaltende Schulterprobleme eine schwierige Entscheidung auf. Eine Operation h\u00e4tte eine lange Pause und einen Neustart im Jahr vor der Olympiade bedeutet. Ohne Eingriff h\u00e4tte sie ihr Potenzial nicht mehr voll aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Die Kombination aus den k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen und dem Zeitpunkt in ihrem Leben wurde letztlich zum entscheidenden Faktor. Sie hielt es f\u00fcr den richtigen Moment den Schritt in das Berufsleben zu starten. Somit beendete sie ihre Karriere im November.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abAm Anfang wollte ich es mir nicht eingestehen. Wir alle, mein Trainer, meine Eltern und ich, wussten, dass es sehr schwierig werden w\u00fcrde\u00bb, sagt sie. Dennoch standen ihr Trainer und ihre Eltern immer vollkommen hinter ihr. \u00abIhnen war wichtig, dass ich die Entscheidung aufzuh\u00f6ren f\u00fcr mich akzeptiere und voll dahinterstehen kann.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Noch w\u00e4hrend ihrer aktiven Karriere begann sie ihren Bachelor in Sprachen und arbeitete mehrere Jahre an diesem. Sie ging fast nie in die Vorlesungen wegen den Trainings und Wettk\u00e4mpfen. Dies \u00e4nderte sich jedoch im November, nachdem sie mit dem Spitzensport aufgeh\u00f6rt hatte. An der Universit\u00e4t traf sie viele neue Menschen, welche sie nicht durch den Sport kannten. Sie sahen auch all ihre andere Ziele und Tr\u00e4ume, wie zum Beispiel eine Familie zu gr\u00fcnden. \u00abF\u00fcr mich war schon immer klar, dass ich sp\u00e4ter entweder im Fernsehen oder als Lehrerin arbeiten m\u00f6chte\u00bb, sagt sie. Heute unterrichtet sie als Ersatzlehrerin Franz\u00f6sisch an einem Gymnasium in Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Weg zur Entscheidung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Yannick K\u00e4ser ging hingegen einen anderen Weg. Der Schweizer Rekordhalter \u00fcber 200 Meter Brust und zweifache Olympia-Teilnehmer ist nun Vereinspr\u00e4sident im Schwimmclub Limmat Sharks Z\u00fcrich. Dazu arbeitet er als Strategie- und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsmanager in einem wachsenden Startup. K\u00e4ser studierte parallel zu seiner Schwimmkarriere Betriebswirtschaft mit Fokus auf Innovation und Digitalisierung. Sp\u00e4ter absolvierte er einen Master in Unternehmensf\u00fchrung an der Hochschule St. Gallen. Sowohl das Bachelor- als auch das Masterstudium fanden w\u00e4hrend seiner aktiven Karriere statt, also vor dem endg\u00fcltigen Karriereende 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abIm Schwimmsport war ich an ganz oben, danach wieder einer von vielen. Deshalb habe ich in ein Startup gewechselt, wo ich wieder an der Spitze mitbestimmen und etwas bewegen kann\u00bb, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung, den Profisport hinter sich zu lassen, geschieht f\u00fcr viele Athleten nicht von heute auf morgen. K\u00e4ser machte sich zwei, drei Jahre vorher schon Gedanken. Zwar habe er sich lange mit dem m\u00f6glichen Karriereende besch\u00e4ftigt. Doch das 2021 tats\u00e4chlich sein letzter Wettkampf sein w\u00fcrde, sei ihm damals noch nicht bewusst gewesen, sagt er. Immer wieder wog er zwischen dem Ziel, weitere internationale Wettk\u00e4mpfe zu absolvieren, und dem Start in einen beruflichen Neuanfang ab. \u00abF\u00fcr mich war fr\u00fch klar, dass ich mich irgendwann entscheiden muss. Letztlich habe ich gemerkt, dass ich sportlich nicht mehr den grossen Sprung machen kann und gleichzeitig bereit f\u00fcr die Zeit danach bin.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Vor den Europameisterschaften 2021 in Budapest, die letzte Qualifikationschance f\u00fcr die Olympiade in Tokyo, erhielt er eine erschreckende Nachricht. Nach einem auff\u00e4lligen Antidopingtest unterzog er sich mehreren Check-ups. Bei den Untersuchungen wurde Krebs festgestellt, gl\u00fccklicherweise aber in einem sehr fr\u00fchen Stadium. Er nahm dennoch an der EM teil, jedoch qualifizierte er sich nicht f\u00fcr die Olympischen Spiele. Schlussendlich entschied er sich nach der Kurzbahnschweizermeisterschaft vom Leistungssport Abschied zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abDer Sport fehlt mir.\u00bb<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Sowohl Mami\u00e9 als auch K\u00e4ser hatten bereits w\u00e4hrend ihrer aktiven Karriere parallel studiert. Nach dem Karriereende konnte Mami\u00e9 sich voll auf ihren Master konzentrieren, w\u00e4hrend K\u00e4ser zun\u00e4chst herausfinden musste, wie er seine neu gewonnene Freiheit sinnvoll nutzen wollte. \u00abIm Sport war alles klar: Training, Studium, Regeneration, jeder Tag war durchgeplant. Pl\u00f6tzlich hatte ich die Autonomie, aber auch die Verantwortung, selbst zu entscheiden, wie ich meine Zeit f\u00fclle\u00bb, erz\u00e4hlt er. Diese Phase nutzte er, um verschiedene berufliche M\u00f6glichkeiten auszuprobieren und herauszufinden, wie er seine Erfahrungen aus Sport und Studium kombinieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr beide war der \u00dcbergang vom Spitzensport in den Alltag ein Prozess, bei dem sie lernen mussten, ihre Zeit neu zu strukturieren und gleichzeitig ihren sportlichen Antrieb anders zu investieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mami\u00e9 erz\u00e4hlt, dass sie eine Person ist, die Bewegung braucht. Sie versucht t\u00e4glich ein bis zwei Stunden Sport zu treiben. Jedoch merkt sie am Abend nach der Arbeit jeweils, dass die Kraft manchmal fehlt. \u00abVor allem wenn ich schwimme, wird mir bewusst, wie sehr mir dieser Sport fehlt\u00bb, sagt sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie gefragt wird, was sie am Leistungssport weniger vermisst, \u00fcberlegte sie lange. Sie liebte alles an ihrem Sport, das Erste, was ihr einf\u00e4llt, ist das fr\u00fche Aufstehen. Doch dies ist auch ein Bestandteil ihres neuen Berufes. K\u00e4ser hingegen staunt heute dar\u00fcber, wie er damals die intensiven Trainings \u00fcberhaupt bew\u00e4ltigt hat.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fr\u00fchzeitig ans Ende denken<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Lisa Mami\u00e9 r\u00e4t jungen Athletinnen und Athleten offen \u00fcber ihre Zukunft nachzudenken und dar\u00fcber zu sprechen, sei es mit einer Psychologin, der Familie oder engen Freunden. \u00abEs ist wichtig sich bewusst zu sein, dass man noch viel mehr ist als nur der Sport, den man aus\u00fcbt\u00bb, betont sie. \u00c4hnlich sieht es Yannick K\u00e4ser. Er empfiehlt fr\u00fchzeitig einen Plan B zu entwickeln und bereits w\u00e4hrend der aktiven Karriere Erfahrungen und F\u00e4higkeiten aufzubauen, die den \u00dcbergang in das Berufsleben erleichtern. Beide betonen, dass diese Vorbereitung Sicherheit gebe und den Schritt nach dem Spitzensport deutlich leichter mache.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch einmal vier Jahre investieren oder einen Schlussstrich ziehen? Auf die n\u00e4chste Olympiade setzen oder sich auf die berufliche Karriere fokussieren? Solche Fragen stellten sich Lisa Mami\u00e9 und Yannick K\u00e4ser, kurz bevor sie ihre Karriere beendeten. Damit sind sie keine Ausnahmen. 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