GC-Spielerin Valentina Gerlof im Interview

«Ohne Spass kann man keine 100% geben»

Die 17-Jährige Valentina Gerlof ist Verteidigerin beim Grashopper Club Zürich. Im Gespräch redet sie über ihre Karriere, ihre Familie und über ihre Zukunft
von Lionel Kammermann
Seit Sommer 2025 spielt Valentina Gerlof in der 1. Mannschaft von GC. Bild: Lionel Kammermann

Anfang Saison sind Sie für ein Spiel nach Kasachstan geflogen. Wie hat sich das angefühlt?

Es war ziemlich krass. Aber dieser Moment hat mir gezeigt, dass man wirklich für ein einzelnes Spiel nach Kasachstan fliegt. Es ist schon extrem cool, dass wir jetzt schon so weit sind. Das war auch eine Riesenerfahrung, dass wir uns für die nächste Runde im Europacup qualifizieren konnten.

Wie sieht ein Tag bei Ihnen aus, wenn Sie nicht gerade nach Kasachstan fliegen?

Ich gehe noch ans Sportgymnasium Rämibühl und dann ist es vor allem so, dass ich am Morgen in der Schule bin und dann am Nachmittag komme ich auf den Campus und trainiere.

Was gibt es für Herausforderungen?

Man kann sicher weniger in der Freizeit unternehmen, weil man grundsätzlich weniger Freizeit hat. Aber wegen dem Sportgymnasium ist es so, dass ich weniger Schule habe als die anderen Schüler*innen. Dann kompensiert es die verlorene Freizeit eigentlich ziemlich gut. Aber das Gymnasium dauert halt einfach ein Jahr länger als üblich.

Wie ist das mit Ihrem Sozial- und Privatleben vereinbar?

Wir haben sicher nicht so viel Zeit dafür. Ich bin aber eigentlich gar nicht der Typ, dem das so wichtig ist. Deswegen ist es für mich jetzt nicht so schlimm, aber mich mit Kollegen zu treffen geht immer noch gut, weil wir meistens am Wochenende an einem Tag Match haben und am anderen Tag etwas mehr Zeit. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie.

Wie sind Sie zu GC gekommen?

Ich habe angefangen bei meinem Dorfverein, dem FC Männedorf. Danach bin ich zu Stäfa gewechselt, weil wir umgezogen sind. In Zürich gibt es Sichtungstrainings, die man durchlaufen muss und danach gibt es eine Auswahl und dort verteilen sie dich an die Topclubs.

Ab wann haben Sie gemerkt, dass es für die Super League reichen könnte?

Ich würde sagen, vor ein paar Jahren, als ich ins AZ gekommen bin. Das ist ein Ausbildungszentrum für Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspieler in Biel. Seitdem war immer klar, dass ich Profifussballerin werden will.

Wollten Sie von Anfang an zu GC?

Zürich ist so aufgeteilt, dass die eine Hälfte zum FCZ geht und die andere Hälfte zu GC. Von meinem Standort her wäre ich eigentlich beim FCZ gelandet. Mein Bruder hat aber bei GC gespielt und deshalb habe ich mich ebenfalls für GC entschieden. Weil es mir dort gefiel, bin ich geblieben.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Auf jeden Fall meine Eltern und meine Geschwister. Meine Eltern, weil sie immer hinter mir gestanden sind und meine Geschwister, weil sie alle etwa den gleichen Weg hatten. Mein grosser Bruder war auch im Leistungsfussball, mittlerweile hat er jedoch aufgehört. Meine kleinen Geschwister sind jetzt auch noch bei GC und einer bei Zürich.

Ist das eine Art Rivalität zwischen Ihren Geschwistern und Ihnen?

Nein, das gar nicht. Ich habe drei Brüder, was heisst, dass sie gar nicht mit mir konkurrieren können. Wir werden auch niemals gegeneinander spielen. Wir sind einfach immer gegenseitig füreinander da und können uns einander Tipps geben

Gibt es auch jemanden in der Familie, der für Ihre Karriere zurückstecken musste?

Ja, schon meine Eltern. Vor allem, auch als ich jung zu GC gekommen bin, wollten sie noch nicht, dass ich den ganzen Weg alleine auf mich nehme. Dort haben sie mich immer ins Training gefahren und wieder abgeholt. Auch zum Spiel haben sie mich gefahren. Zudem versuchen sie bei jedem Match zuzuschauen. Das ist schon eine sehr grosse Hilfe.

Wie haben Sie die EM im letzten Sommer erlebt?

Das war ein Riesenevent, und es hat mir sehr gefallen, dass der Frauenfussball von allen sehr gehyped wurde.

Hat es nach der Frauen-EM den erhofften Boom gegeben?

Ich denke schon, dass es ein grosser Schritt war, der jetzt aber wieder abgeflacht ist.  Ich glaube, es braucht einfach Zeit, dass der Frauenfussball grösser werden kann. Es war aber wichtig, dass es einen ersten Aufschwung gegeben hat.

Nationalspielerin Noemi Ivelj hat nach der EM den Schritt in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt gewagt. Wollen Sie auch irgendwann im Ausland spielen?

Ja, das ist sicher ein Ziel von mir, am liebsten bei Bayern.

Was würden Sie jungen Mädchen und Jungen, auf den Weg geben, die den Traum haben, Profifussballer*innen zu werden?

Das Wichtigste ist immer der Spass. Denn man kann einfach am meisten profitieren, wenn man zu 100% hinter sich steht. Ansonsten ergibt es einfach keinen Sinn. Es gibt sicher Phasen, wo man keine Lust hat ins Krafttraining zu gehen. Die grössten Fortschritte kann man aber nur machen, wenn man immer zu 100% bereit ist, alles zu geben. Das geht nicht ohne den Spass.