Leistung hat ihren Preis

Was junge Schweizer Schwimmer investieren müssen, um an die Spitze zu kommen

Medallien fallen nicht vom Himmel, junge Schwimmerinnen und Schwimmer müssen täglich viele Stunden ins Training investieren - und ihre Eltern Tausende von Franken.
von Jonas Jenne

Es begann mit Jérémy Desplanches. Seit der Genfer Schwimmer 2021 an den Olympischen Sommerspielen in Tokio eine Bronzemedaille über 200 Meter Lagen gewann, purzeln die Schweizer Schwimmrekorde nur so. Mit Noé Ponti, Roman Mityukov, Antonio Djakovic und Lisa Mamié verfügt die Schweiz gerade über eine goldene Generation von Schwimmerinnen und Schwimmern.

Hinter dem Erfolg steckt harte Arbeit und Entbehrung. Wer es einmal an die Weltspitze schaffen will, der muss bereits in jungen Jahren auf viel verzichten. Und es braucht das richtige Umfeld, wie Lorenz Rothenfluh, Juniorentrainer beim Zürcher Schwimmklub Limmat Sharks, sagt. “Nachwuchsschwimmer und ihre Familien müssen nicht nur zeitlich enorm viel in den Sport investieren, sondern auch finanziell.”

Lorenz Rothenfluh, Trainer des Elite-National Team der Limmatsharks. Foto: PD Limmatsharks

“Erholung gibt es zwar, sie ist aber Teil des Trainingsplans.”

Rothenfluh nennt etwa die mehrwöchigen Trainingslager im Ausland. “Während andere Jugendliche in den Ferien mit Freunden oder Familie entspannen, reisen junge Leistungsschwimmer für drei Wochen in intensive Camps. Dort würden täglich mehrere Einheiten im Wasser sowie zusätzliche Krafttrainings auf dem Programm stehen.

Das Elite-Team der Limmat Sharks reist regelmässig ins Ausland, etwa nach Südafrika. Auf den ersten Blick wirke es vielleicht übertrieben, für ein Trainingslager so weit zu reisen und so viel Geld auszugeben, sagt Lorenz Rothenfluh. Doch es gäbe gute Gründe. Das Trainingslager finde jeweils während der Sportferien im Winter statt. In Südafrika sei dann bereits Sommer. Und das ist entscheidend: “Das Training draussen an der Sonne bietet nicht nur bessere Bedingungen, sondern auch eine mentale Abwechslung. Statt Hallenbad und Dunkelheit trainieren die Schwimmer unter freiem Himmel, an der frischen Luft.”

Trainingscamp der Limmatsharks in Pretoria. Foto: Jonas Jenne

Eine weitere wichtige Rolle spiele die Höhe. “Die Stadt Pretoria liegt auf rund 1500 Metern über Meer. In Kombination mit der Wärme lässt sich dort ein äusserst effektives Höhentraining absolvieren”, erklärt Rothenfluh. Der Körper passe sich an die dünnere Luft an und könne so langfristig leistungsfähiger werden. Gerade im internationalen Vergleich könne dieser Trainingsreiz entscheidend sein, so Rothenfluh.

Die Limmat Sharks setzen auch darum auf Südafrika, weil die Zeitverschiebung nur minimal ist. Zwischen der Schweiz und Südafrika liegt nur eine Stunde Unterschied. Das bedeute, dass sich die Athleten nicht erst tagelang an eine neue Zeitzone gewöhnen müssen, sondern praktisch sofort mit dem intensiven Training beginnen können, sagt Rothenfluh.

Doch all das hat seinen Preis. Flug, Unterkunft, Verpflegung und Trainingsinfrastruktur kosten gemäss Rothenflug mehrere tausend Franken pro Person. Diese Ausgaben tragen in erster Linie die Schwimmer beziehungsweise ihre Familien selbst. Zwar gäbe es Subventionen und Unterstützung durch Programme wie Jugend und Sport oder durch Sponsoren und Investoren, doch diese würden nur einen kleinen Teil des gesamten Budgets abdecken, sagt Rothenfluh.

Trotzdem wird im Gespräch deutlich. Die grösste Investition ist nicht das Geld, sondern die Zeit. Junge Nachwuchsschwimmer trainieren bis zu zweimal täglich. Dazu kommen Krafteinheiten, Wettkämpfe an Wochenenden und Trainingslager in den Schulferien. Der Alltag ist stark durchgetaktet. Für Freizeit ist wenig Zeit.