Der anspruchsvolle Weg an die Weltspitze des Skisports

Die Schule hat sie abgeschlossen. Sie ging reisen und hat viele neue Sachen ausprobiert. Doch ihr fehlte etwas. „Lange Zeit wollte ich mir nicht eingestehen, dass es das Skifahren war“, sagt Alessia Bösch. Nach drei Jahren Pause vom Skisport fasste die heute 22-jährige Engelbergerin im Februar 2024 den Entschluss, in den Skisport zurückzukehren.
Ausschlaggebend für das Comeback war ein Praktikum bei SwissSki, als sich der ganze Tag ums Skifahren drehte. Da wurde der Wunsch für eine Rückkehr in die Skiwelt immer stärker. Inzwischen tritt sie wieder in allen Disziplinen bei internationalen Rennen des Skiverbands FIS an.
Bereits kurz nach ihrer Rückkehr wurde ihr klar, wie schwierig der Weg zurück nach oben ist, obwohl sie früher bereits Juniorenmeistertitel gewonnen hatte und erfolgreich gewesen war. Nun musste sie wieder sehr hart trainieren. Trotzdem ist es für sie derzeit schwierig, gute Resultate einzufahren. In den FIS-Rennen gehört sie inzwischen zu den älteren Fahrerinnen, was bedeutet, dass sie weniger Punkte sammeln kann. Auch an Sponsoren zu kommen ist sehr schwierig, vor allem ohne Kaderplatz. „Ich muss alles selbst finanzieren, eigene Sponsoren finden und allein trainieren“, sagt Bösch.
Eine Saison ohne Kader wird sehr teuer
Im Skisport summieren sich die Kosten schnell. Wie Blick ausgerechnet hat, kostet eine Saison ohne Kader ungefähr zwischen 80`000 und 100`000 Franken, die selbst bezahlt oder durch individuelle Sponsoren finanziert werden müssen. Anfangs der Karriere suchen Athleten jeweils eigene und private Geldgeber als finanzielle Unterstützung. Sobald man im Kader von SwissSki ist, sind Material, Trainer, Trainingslager, Reisen und Betreuung finanziert. Die Partner müssen auch nicht selber angefragt werden.
Er hat einen scheinbar schnellen Aufstieg an die Weltspitze geschafft. Doch das täuscht, wie er erzählt. „Ich war im Vergleich zu Gleichaltrigen immer ein Jahr zu spät, vor drei Jahren etwa hat es gekehrt und es ging ziemlich schnell voran.“ Derzeit bestreitet er im B-Kader von SwissSki in den Disziplinen Super- G und Abfahrt im Weltcup und im Europacup Rennen – dabei fährt er regelmässig in die Top 10.
Leidenschaft trotz Rückschlägen
Trotz teilweise schwieriger Phasen dachte Alessio Miggiano nie ans Aufhören, da seine Begeisterung riesig ist. Anders ging es Alessia Bösch im Dezember 2021. Sie beschloss damals ihre Karriere zu beenden. Sie hatte unerklärliche Rückenschmerzen und ihr Vater wurde mit einem Hirntumor diagnostiziert. Parallel war sie noch in ihrem Maturjahr und wollte die Schule abschliessen. „Es war so viel auf einmal, bis ich gemerkt habe, ich kann das nicht mehr. Das Einzige, was ich in der Hand hatte zum Verändern, war das Skifahren. Darum musste ich aus der Not heraus meine Karriere beenden“, erzählt sie.
Heute muss Alessia Bösch ihre Skikarriere weiterhin selbst finanzieren. Anders als früher können ihre Eltern sie nicht mehr gross unterstützen, da ihr Vater seit der Erkrankung nicht mehr arbeiten kann. Mit Hilfe eines Managements sucht sie nun aktiv und erfolgreich nach Sponsoren, um ihre Rennen und Trainings zu ermöglichen. Jetzt nach dem Comeback brennt ihr Feuer für das Skifahren wieder und sie geniesst jeden Moment auf den Ski.
Die Ziele sind hoch angelegt
Alessia Bösch träumt weiterhin gross. „Ein Olympiasieg ist natürlich der Traum jedes Athleten“, sagt sie. Vor allem aber setzt sie ihren Fokus bewusst auf die nächsten Schritte und möchte sich möglichst bald einen Platz im Kader von SwissSki sichern. Auch Alessio Miggiano verfolgt ambitionierte Ziele. Er will sich im Weltcup etablieren und strebt Podestplätze sowie Siege an.