Ist jemand, der “du Schwuchtel” sagt, homophob? — ein persönlicher Kommentar

in Allgemein/Schweiz/Zürich/Youth by

Vor fast zwei Monat­en schrieb die Lim­mattzeitung: “Zwei junge Män­ner sind im Zürcher Nieder­dorf in der Nähe eines Gay-Clubs ver­prügelt wor­den. Ein­er der Män­ner musste mit der Ambu­lanz ins Spi­tal gefahren wer­den.” Dies war schon das zweite Mal, dass es zu einem Angriff in der Nähe dieses Gay-Clubs gekom­men war.

Offen­sichtlich wur­den die zwei jun­gen Män­ner wegen dem Ausleben ihrer Homo­sex­u­al­ität, dem Tra­gen von Klei­dern, die “schwul” wirken, oder nur schon wegen dem Aufhal­ten in der Nähe dieses Gay-Clubs ange­grif­f­en. Homo­phobe Über­griffe bekommt man eben­so im RG mit, auch wenn sie haupt­säch­lich ver­bal und nicht physisch stat­tfind­en.

Einfach um dazuzugehören…

Zum grössten Teil sind es homo­phobe Bemerkun­gen oder Witze, die obwohl sie nicht ernst gemeint sind, von den aller­meis­ten gefeiert wer­den. Genau dieses gemein­same Lachen über eine Sache gibt den Jugendlichen ein Gemein­schafts­ge­fühl. “Dazuge­hören” ist wichtig. Inner­halb der Gruppe pusht man sich dann, ohne es zu bemerken, zu immer extremeren Aus­drück­en und Witzen.

Es kann dann schnell ein­mal zu Bemerkun­gen kom­men wie: “Tue nöd so schwul”, “du Schwuch­tel” oder gar: “Schwul sii isch e Chrankheit!” Was man sich dabei aber nicht denkt, ist, dass solche Bemerkun­gen jeman­den per­sön­lich tre­f­fen kön­nen, der wom­öglich wirk­lich homo­sex­uell ist. Die eigene Sex­u­al­ität ist etwas Per­sön­lich­es, über das Aussen­ste­hende nicht urteilen sollen.

Wenn man die RG-Schüler dann aber fragt, ob sie etwas gegen Homo­sex­uelle haben, antworten die aller­meis­ten mit: Nei, über­haupt nöd”.

Grund­sät­zlich ist es ein­fach­er, eine Sache von Anfang an aus Prinzip ein­fach mal “scheisse” zu find­en, als sie zu akzep­tieren oder gar toll zu find­en. Denn durch das pos­i­tive Vertreten ein­er Sache, muss man sich erst ein­mal damit auseinan­der­set­zen und den Mut beweisen, seine eigene Mei­n­ung zu äussern und dazu zu ste­hen. Im Gegen­satz dazu gibt es den ein­facheren Weg: Man kann sich auch von ein­er Sache durch das “Scheisse-find­en” dis­tanzieren. Man läuft so nicht Gefahr, eine kon­tro­verse Mei­n­ung zu der Sache zu haben, und die meis­ten Jugendlichen wählen genau diesen Weg.

“Man kann sich auch von ein­er Sache durch das “Scheisse-find­en” dis­tanzieren. Man läuft so nicht in die Gefahr eine kon­tro­verse Mei­n­ung zu der Sache zu haben und die meis­ten Jugendlichen wählen genau diesen Weg.”

Michael Lory

Wenn man sich am RG umhört, kann man jedoch sagen, dass die meis­ten RG-Schüler nichts gegen Homo­sex­uelle haben. Trotz­dem fall­en oft sehr unbe­dachte, homo­phobe Bemerkun­gen, die man ver­mei­den sollte.

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